Vortrag „Die Sehnsucht anzukommen – Über Kriegskinder, Kriegsenkel, Kriegsenkelinnen und den langen Weg zu sich selbst“ mit Ingrid Meyer-Legrand
Zum Vortrag
Es kommt nicht darauf an, was man aus uns gemacht hat,sondern darauf, was wir aus dem machen, was man ausuns gemacht hat.
Jean-Paul Sartre
Kriegsenkelinnen und Kriegsenkel, die Kinder der Kriegskinder des Zweiten Weltkriegs, sind häufig in Familien aufgewachsen, in denen die Folgen von Nationalsozialismus, Krieg, Verlust und Schweigen bis weit in die nächste Generation hineinwirkten. Viele Eltern waren emotional nur eingeschränkt erreichbar und durch ihre eigenen Kriegserfahrungen geprägt.
Je nach Familiengeschichte kamen weitere Erfahrungen hinzu: Flucht und Vertreibung, der Neuanfang in Ost oder West sowie – für viele Familien in Ostdeutschland – die Prägungen durch das Leben in der DDR und die gesellschaftlichen Umbrüche nach 1989.
Gleichzeitig gehören diese Jahrgänge zu den Menschen,die neue Lebensentwürfe entwickelt, gesellschaftlichen Wandel mitgestaltet und tradierte Muster hinterfragt haben. Viele begleitet aber bis heute das Gefühl, zwischenden Generationen und Lebenswelten zu stehen: biografische Brüche, innere Unruhe oder die Suche nach einem Ort, an dem sie wirklich ankommen können. Daraus entstehen immer wieder grundlegende Fragen: Wo ist mein Platz im Leben? Was trägt mich? Wofür lohnt es sich, meinen eigenen Weg zu gehen?
Der Vortrag beleuchtet die transgenerationalen Auswirkungen vom langen Schatten des Nationalsozialismus und zeigt zugleich die besonderen Stärken, die Kriegsenkelinnen und Kriegsenkel entwickelt haben: Empathie, Reflexionsfähigkeit, Krisenkompetenz, Kreativität und die große Fähigkeit, Wandel und gesellschaftliche Umbrüche aktiv zu gestalten.
Text: Ingrid Meyer-Legrand, Psychotherapeutin, Berlin/Brüssel