Angermuseum Erfurt würdigt das Schaffen von Eva Bruszis
Erste umfangreiche Retrospektive stellt Wirken der Erfurter Künstlerin in den Fokus
Die Retrospektive zeichnet die Entwicklung einer eigenständigen, experimentellen Bildsprache nach – von den gegenständlichen Arbeiten des Frühwerks bis hin zur Abstraktion. Zugleich verortet sie das Schaffen von Eva Bruszis im Kontext der ostdeutschen Kunstgeschichte seit den 1960er Jahren. Ihr Leben zwischen künstlerischer Praxis, Lehrtätigkeit und familiären Care-Aufgaben ist ein ermutigendes Beispiel weiblicher Selbstermächtigung in der DDR und Nachwende-Zeit. Neben Werken aus dem Bestand des Angermuseums sind herausragende Leihgaben zu sehen, die die Vielfalt und Eigenständigkeit der Bildwelt der Künstlerin eindrucksvoll erfahrbar machen.
Mit rund 150 Werken zeigt das Angermuseum die bislang umfangreichste Einzelausstellung der in Erfurt lebenden und arbeitenden Künstlerin. Präsentiert werden selten gezeigte Miniaturmalereien und -zeichnungen aus den 1960er bis 1980er Jahren, zentrale Arbeiten aus ihrem umfangreichen druckgrafischen Schaffen seit den 1990er Jahren sowie figürliche Holzskulpturen aus den späten Jahren.
Im Mittelpunkt steht die Grafik, in der Eva Bruszis verschiedene Tiefdruckverfahren virtuos mit weiteren druckgrafischen und zeichnerischen Techniken verbindet. Durch das vielschichtige Überlagern von Farbflächen und Linien entstehen Bildräume von außergewöhnlicher Tiefe und eindringlicher Leuchtkraft. Traumwelten, Inseln und Wunderblumen werden dabei zu poetischen Sinnbildern menschlicher Existenz. Erfahrungen der Nachkriegszeit und persönliche Verluste finden darin ebenso ihren Ausdruck wie Ängste und Unsicherheiten in verschiedenen Lebensphasen. Diesen begegnet die Künstlerin in ihren Arbeiten selbstreflexiv und gleichermaßen humorvoll.
Im Zentrum der Ausstellung steht eine wandfüllende Fotoarbeit von Marcel Krummrich, die das Atelier von Eva Bruszis als persönlichen Aktionsraum und Sinnbild künstlerischer Kreativität zeigt. Der Blick in die Werkstatt eröffnet Einblicke in ihre Arbeitsweise und macht die vielfältigen künstlerischen Techniken anschaulich. Ausgewählte Werke aus der prominenten Erfurter Grafiksammlung von Rudolf und Ilse Franke stellen das Schaffen von Eva Bruszis in einen internationalen Kontext. Zu sehen sind Arbeiten u a. von Ida Kerkovius, Toni Florence Mau, Gerhard Altenbourg, Serge Poliakoff und Pavel Sukdolak.
Ein umfangreiches Begleitprogramm lädt dazu ein, über Kunst als Lebenshilfe, Grafik als demokratisches Medium sowie über die Lebenssituationen von Frauen und Künstlerinnen ins Gespräch zu kommen.
Biografie
Eva Bruszis wurde 1944 in Leobschütz/Oberschlesien geboren. Nach ihrem Studium der Kunsterziehung und Russisch an der Karl-Marx-Universität Leipzig war sie zunächst als Kunstlehrerin tätig. 1983 wechselte sie an die Pädagogische Hochschule Erfurt. Von 1985 bis 2004 leitete sie dort die Werkstatt für künstlerischen Tiefdruck am Institut Kunst. Parallel absolvierte sie ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, das sie 1990 als Diplom-Grafikerin abgeschlossen hat. Seit 2004 arbeitet Eva Bruszis als freischaffende Künstlerin in Erfurt. Sie ist Mitglied im Verband Bildender Künstler Thüringen e. V.