Franca Bartholomäi. Irgendwo ist immer Nacht

20.03.2026 11:00 – 31.05.2026 18:00

Vom 20. März bis 31. Mai 2026 zeigt der Erfurter Kunstverein in der Kunsthalle Erfurt die Ausstellung „Franca Bartholomäi. Irgendwo ist immer Nacht“. Die Ausstellungseröffnung findet am 19. März um 18 Uhr statt.

Ein Bild in Schwarz Weiß mit zwei Personen und einem großen Tier in einem Wald
Irrlichter (Die Versuchung), 2019, Holzschnitt auf Chinapapier Grafik: © Franca Bartholomäi
31.05.2026 18:00

Franca Bartholomäi. Irgendwo ist immer Nacht

Genre Ausstellung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Kunsthalle Erfurt, Erfurter Kunstverein
Veranstaltungsort Kunsthalle Erfurt, Fischmarkt 7, 99084 Erfurt
workTel. +49 361 655-1651+49 361 655-1651

Zur Ausstellung

Nachdem der Erfurter Kunstverein im vergangenen Jahr erfolgreich mit der Ausstellung „Gabriela Jolowicz. Der unendliche Holzschnitt“ eine junge künstlerische Position vorgestellt hat, der es auf überzeugende Weise gelingt, das klassische Medium Holzschnitt in eine zeitgemäße Sprache zu übersetzen, möchten wir diesen Fokus in 2026 mit Holzschnitten der in Halle/Saale lebende Künstlerin Franca Bartholomäi fortsetzen.

Bereits während ihres Studiums an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle wandte sich Franca Bartholomäi der Technik des Holzschnitts zu. Seit 1995 druckt sie ihre Blätter überwiegend in Schwarzweiß, zeigt ihre Vorliebe für dunkle Flächen und Räume, traumähnliche Fantasien und rätselhafte figürliche Konstellationen, aber auch für fein ziselierte Lineaturen. Seit 2024 ergänzt der Linolschnitt den Holzschnitt, auch findet sich seit 2019 hier und da etwas Farbe – in monochromen Akzenten und in zarten Helldunkelverläufen in den Hintergründen.

Obwohl ihre Figurenzeichnung offenbart, wie detailliert sie die Außenwelt wahrnimmt, ist ihr bildliches Erzählen stark nach innen gerichtet. Die Ambivalenz zwischen der figürlichen Präsenz der Darstellung und der Unzugänglichkeit ihrer Bedeutung, bis hin zur hermetischen Abgeschlossenheit, begründet wesentlich die Wirkung, die von dieser Kunst ausgeht. „Ich mag den Mix aus nachvollziehbaren und völlig schrägen Elementen. Alles scheint von Bedeutung und miteinander verbunden zu sein. Doch einer Lesbarkeit bis ins letzte Detail entziehen sie sich – die Träume ebenso wie meine Bilder“, schreibt die Künstlerin. Und: „Das Rätselhafte ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Werke. Sie haben alle ihre Geschichten, ich sage mit Bedacht Geschichten, also Mehrzahl, denn es sind immer mehrere Bedeutungsebenen, die ich verwebe bzw. die sich im Prozess des Schaffens wie von selbst verweben.“

Weil unser Sehen auf Erfahrungen gründet, deuten wir das Weiße im Holzschnitt intuitiv als Licht und das Schwarze als Nicht-Licht, als Schatten oder Nacht. Das Dunkle in den Bildern von Franca Bartholomäi steht für die Nacht als Hüterin der Träume. Eine Aussage wie „irgendwo ist immer Nacht“ eröffnet in diesem Sinne nicht nur eine irdisch-kosmologische Lesart, insofern die Stellung der Erde zur Sonne immer eine Schattenseite auf unserem Planeten erzeugt, die wir Nacht nennen, sondern auch eine kulturelle (und darin auch politische) Lesart, insofern wir der Nacht bestimmte Aspekte unseres Lebens zuordnen, die in einem Spannungsfeld zur Bedeutung von Tag stehen, der für das städtische Leben und Lärmen, die Flüchtigkeit des Handelns und die Überflutung mit sinnlichen Reizen steht.

Zwischen Tag und Nacht liegt das Atelier der Künstlerin – ein „heiliger“ Rückzugsort, ein Ort der
Stille und der Entschleunigung, in dem sie das nötige Maß an Hingabe und Konzentration erreicht, um künstlerisch tätig zu werden. Ihre grafischen Blätter begreift Franca Bartholomäi als Botschafter, die via Publikation und Ausstellung zwischen ihrem Inneren und der Welt „da draußen“, der Welt ihrer Betrachter*innen, vermitteln.

Zur Ausstellung ist eine Publikation erschienen.

Eine Ausstellung des Erfurter Kunstvereins in Kooperation mit der Kunsthalle Erfurt.

Förderung
Kulturstiftung des Freistaats Thüringen
Sparkassenstiftung Erfurt