Bildermagazin der Zeit

30.08.2019 10:00 – 17.11.2019 18:00

Laszlo Moholy-Nagys und Joost Schmidts verlorenes Bauhaus-Buch – Ein Konstruktionsversuch. Ausstellung im Grafikkabinett

Zeitungscover
Cover des Magazins „die neue linie“, September 1929, Gestalter: Laszlo Moholy-Nagy Bild: © Archiv P. Roessler
17.11.2019 18:00

Bildermagazin der Zeit

Genre Ausstellung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Kunstmuseen
Veranstaltungsort Angermuseum Erfurt, Anger 18, 99084 Erfurt

Die Ausstellung

Zeitschriftencover
Foto: Oswald Voh: Umschlagillustration für Das Leben, Nr. 11 vom Mai 1930 Foto: © Privatbesitz

In den Prospekten für die legendäre Reihe der „Bauhausbücher“ der 1920er Jahre wurde mehrfach ein Band zum „Bildermagazin der Zeit“ angekündigt. Herausgeber und Bauhausmeister László Moholy-Nagy schwebte dafür eine kritische Bestandsaufnahme der zeitgenössischen Zeitschriftenproduktion vor. Die Idee wurde aber nie realisiert, weshalb diese Ausstellung die geplante Bestandsaufnahme nachholt und eine Konstruktion dessen unternimmt, wie das „Bildermagazin der Zeit“ hätte aussehen und was es hätte leisten können: Eine Auswahl deutscher und internationaler Illustrierten, die zwischen der Bauhausgründung und dem Tod Moholy-Nagys veröffentlicht wurden, gibt einen Einblick in das (neben dem Film) wichtigste Medium für den „Iconic Turn“ der Zwischenkriegszeit.

Schon in seinem Konzept für eine „synthetische Zeitschrift“ forderte Moholy-Nagy 1925 „überall viele Bilder im Text“. Die Reklamewerkstatt am Bauhaus griff die Tendenzen einer „Neuen Typographie“ in ihren Arbeiten auf und entwickelte sich zu einem Taktgeber der gebrauchsgrafischen Moderne, der auch maßgeblichen Einfluss auf das Erscheinungsbild der modernen Illustrierten nahm. 1928 aus dem Bauhaus ausgeschieden, erhielt Moholy-Nagy öfters Gestaltungsaufträge von Zeitschriftenverlagen, für die er eine markante Bildsprache entwickelte – darunter auch der Relaunch der Lifestyle-Illustrierten „die neue linie“ im Auftrag des Leipziger Beyer-Verlags (später: Verlag für die Frau).

Zeitschriftencover
Foto: Martin Munkacsi: Umschlagfotografie Bildnis Leni Riefenstahl für die Berliner Illustrirte Zeitung, Nr. 2 vom 11. Januar 1931 Foto: © Privatbesitz

Das deutsche Zeitschriftenwesen erlebte in der Weimarer Republik eine ungeahnte Blüte mit über 6.000 Titeln aller Gebiete für eine bildungshungrige Öffentlichkeit. Unbestrittene Marktführer waren die Illustrierten im Zeitungsformat nach dem Vorbild der „Berliner Illustrirten Zeitung“, die allwöchentlich ein Millionenpublikum ansprachen und mit ihren Fotoreportagen die Verbreitung des „Neuen Sehens“ im Bildjournalismus unterstützten. Auch die politischen Kräfte des linken wie rechten Spektrums gründeten ihre eigenen Blätter, und gemeinsam mit den illustrierten Zeitungsbeilagen zum Wochenende und den auflagenstarken Magazinen erreichte die populäre Bilderpresse zum Ende der Weimarer Republik nahezu die gesamte Bevölkerung.

Ergänzt wurde dieses Medienrepertoire durch eine schier unübersehbare Flut an Special-Interest-Titeln etwa zur Mode, zum Film, zum Design oder zur Körperkultur, neben Zielgruppenorganen für junge Erwachsene, Frauen oder die Großstadtbewohner. Gemeinsam mit den ausländischen bzw. für den Auslandseinsatz geplanten Illustrierten gibt die Ausstellung anhand von knapp 200 Originalheften der Epoche einen Einblick in das weite Feld jener „Bildermagazine der Zeit“, die das von Moholy-Nagy geplante Buch hätte diskutieren können.

Buchcover
Foto: Buchcover, Rekonstruktion von Danielle Weisheit nach einem Entwurf von Marianne Brandt Foto: © Gebr. Mann Verlag

Die Ausstellung wird von Prof. Dr. Patrick Rössler, Universität Erfurt, kuratiert.

Eine Ausstellung des Angermuseums Erfurt in Kooperation mit der Universität Erfurt, unterstützt von der Thüringer Staatskanzlei und der Kulturstiftung der Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen.

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Begleitband im Gebr. Mann Verlag erschienen (144 S. m. über 200 Abb., durchgehend farbig, fester Einband; 29,80 €), ISBN 978-3-7861-2813-7

Das Begleitprogramm

Cover eines Buchtitels
Foto: Erich Mende: Umschlagmontage zur Dresdner Hygiene-Ausstellung für Reclams Universum Nr. 42 vom 17. Juni 1930 Foto: © Privatbesitz

Kuratorenführung mit Prof. Dr. Rössler

15. September 2019, 15:00 Uhr

Vorträge

2. Oktober 2019, 18:00 Uhr
Lilja-Ruben Vowe, Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder
„Nicht mehr lesen, sehen!“ – Fotografien, Karikaturen und Montagen in der Presse der Weimarer Republik

29. Oktober 2019, 19:00 Uhr
Prof. Dr. Patrick Rössler, Universität Erfurt
Die Künstler und die Illustrierte – Bildermagazine als Tummelplatz der Avantgarde

Bauhaus trifft VR

2. und 3. November 2019, 10:00 – 18:00 Uhr
Eine virtuelle Rekonstruktion der Halle der Baugewerkschaften auf der Deutschen Bau-Ausstellung 1931
Anhand historischer Dokumente wurde eine von Herbert Bayer und László Moholy-Nagy gestaltete Ausstellung, die in ihrem Informationsdesign wegweisend und ihrer Zeit weit voraus war, als interaktive Präsentation nachgebildet, in der der Besucher das Wahrnehmungserlebnis wie in einer Zeitmaschine nachvollziehen kann.

Eine Virtual-Reality-Erfahrung in Kooperation von Universität Erfurt und FH Erfurt