Das wenige Ganze – Malerei und Zeichnungen von Elke Albrecht

18.11.2018 11:00 – 06.01.2019 18:00

Mit Elke Albrecht zeigt die Galerie Waidspeicher in ihrer neuen Ausstellung eine über Thüringen hinaus singuläre malerische Position.

Bild mit lila- und rosafarbener Figur
Elke Albrecht: Painting 148, 2018 Bild: © Elke Albrecht/VG Bild-Kunst, Bonn 2018
06.01.2019 18:00

Das wenige Ganze – Malerei und Zeichnungen von Elke Albrecht

Genre Ausstellung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Galerie Waidspeicher
Veranstaltungsort Galerie Waidspeicher im Kulturhof „Zum Güldenen Krönbacken“, Michaelisstraße 10, 99084 Erfurt

Über die Künstlerin und die Ausstellung

Bild einer weiß-blauen Figur
Bild: Elke Albrecht: Faberge Egg 1, 2018 Bild: © Elke Albrecht/VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Die in Berlin geborene Künstlerin studierte an der Burg Giebichenstein im Bereich Modedesign und wandte sich dann in New York der Malerei zu. Nach 15 Jahren Erfahrung und Teilnahme am Kunstbetrieb in der Metropole auf der anderen Seite des Ozeans lebt sie heute bei Eisenach.

Anfänglich arbeitete Elke Albrecht noch figürlich, bald fand sie zu einer reinen Abstraktion, bei der sie sich in den letzten Jahren auf ein überschaubares Formenvokabular in all seinen Variationen konzentrierte. Ihre aktuellen Arbeiten sind wieder organischer, sind weniger streng. Die besondere Leichtigkeit der Bilder ist geblieben: Wirken diese Arbeiten wie mit einer großzügigen Geste des Freilassens geschaffen, offenbart sich bei näherem Betrachten ein Mehr an Formen, eine Tiefe, obzwar übermalt erzählen sie doch eine Geschichte, die Geschichte ihres Entstehungsprozesses.

Begleitprogramm

Eröffnung

Samstag, 17. November 2018, 19 Uhr
in Anwesenheit der Künstlerin

Führungen durch die Ausstellung finden statt am

Dienstag, 4. Dezember 2018, 16:30 Uhr
Dienstag, 6. Januar 2019,  16:00 Uhr

Biografie Elke Albrecht

Eine Frau steht vor Bildern, die an einer Wand hängen
Foto: Elke Albrecht in ihrer Ausstellung in der Galerie Waidspeicher Foto: © Stadtverwaltung Erfurt/Dirk Urban
  • in Glashütte geboren und in Berlin aufgewachsen
  • 1991- 96: Studium, Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein Halle
  • Diplom Modegestaltung
  • 1997: Stipendium Stiftung Kunstfonds, Columbia University, NYC
  • 1997-2012: Aufenthalt in New York
  • 2001-2006: Aufbaustudium an der Art Students League of New York und an der National Academy School of Fine Arts in New York, Malerei/Grafik
  • 2008-2012: vertreten durch die OK Harris Gallery, New York City
  • 2012-2014: vertreten durch die OCA-Gallery, Berlin
  • vorwiegend in Deutschland, Kanada und den USA in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, wie z.B. in der Nathaniel Otis Owings Collection, Santa Fe, NM, USA, in der Steven Horwitz Sammlung, NYC, in der Sammlung der Thüringer Staatskanzlei, in der Erfurter Bildkunststiftung und in der Sammlung der Mühlhäuser Museen
  • Veröffentlichungen im "Surface" Magazine San Francisco, "Gallery & Studio" NYC, "Sklaven" Berlin und einigen mehr
  • 2009-2011: Lehrtätigkeit in den USA
  • 2013-2016: Lehrtätigkeit an Freien Kunstakademien in Deutschland
  • 2013: vertreten auf der ART Fair, Köln
  • 2014: vertreten auf der ART Karlsruhe
  • seit 2014 vertreten durch die Galerie Huber & Treff, Jena
  • 2015: Stipendium der Pollock - Krasner Foundation of New York
  • 2016: nominiert für den BLOOM-Award
  • 2017: Teilnahme am Wettbewerb zur Neugestaltung der Fenster im Altarraum der Kirche zu Hötzelsroda
  • 2017: Teilnahme am 17. Internationalen Emailsymposium in den Künstlerwerkstätten Erfurt
  • 2018: Leitung der Meisterklasse in abstrakter Malerei an der Schwabenakademie Irsee

Über die Arbeiten Elke Albrechts

Große grüne Form auf weißem Hintergrund
Bild: Elke Albrecht: Ich mag kein Grün, 2018 Bild: © Elke Albrecht/VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Armin Huber und Torsten Treff (Kunsthändler der Galerie Huber & Treff, Jena):

In den 15 Jahren Galerietätigkeit ist es immer wieder eine Freude, etwas Besonderes in der Kunstentwicklung zu finden. Dies waren im Jahr 2013 die Arbeiten von Elke Albrecht.

Wahrnehmungen, Erlebnisse, Gedanken, Wissen und Sehnsüchte übersetzt sie in Arbeiten voll kontrollierter Sinnlichkeit. Sie erzeugt diese durch einen sehr achtsamen, fast zärtlichen Umgang mit dem Material. Ihre Arbeiten sind von feinster, subtiler Stofflichkeit.

Susanne Knorr, Kuratorin, Kunstmuseen der Stadt Erfurt

Die Malereien von Elke Albrecht wirken in ihrer Reduziertheit sehr sinnlich und zeugen von einem hochsensiblen Umgang mit dem Material. Ihnen ist eine große Nähe zur Grafik inhärent, erst recht, wenn Drucktechniken einfließen oder mit Stiften Relationen zwischen den einzelnen gemalten Elementen durch Linien oder Liniengeflechte in unterschiedlicher Dichte hergestellt werden. Übermalen, Zurücknehmen, Erneut-Negieren ist eine spezifische Methode, die zu den reduzierten Tableaus führt und Vergleiche zu Palimpsesten nahelegt. Die scheinbar großzügige Geste des Freilassens, offenbart bei näherem Betrachten Tiefe und ein Mehr an Formen – wenn auch übermalt, erzählen sie eine Geschichte, zeigen ihren Entstehungsprozess.

Bei den geometrischen Bildelementen – die als bloße Kontur, flächiger Farbauftrag, sich auflösende Form oder ausgekritzelte geschlossene Fläche angelegt sind – geht es weniger um die Exaktheit ihrer Darstellung als vielmehr um ihr Verständnis zueinander, ihrer proportionalen Beziehung, Farbkontraste beziehungsweise um die Relation von äußerer Form und Binnenstruktur. Immer wirft diese Malerei die Frage nach der Sichtweise in Bezug auf das Verhalten der Konstituenten dieser Bilder auf: Sind sie im Begriff zu erscheinen oder zu entschwinden.

William Floyd (art dealer, New York)

Strong work, it demands attention, holding the viewer. Not giving one a chance to stray from the painting. Your use of color is exceptional.

Rote Pinselstriche
Bild: Elke Albrecht: P 888 Bild: © Elke Albrecht/VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Gerd Jansen (artist, countune international art project)

Die Malerei von Elke Albrecht sucht an der Grenze zur Zeichnung die Balance zwischen minimal eingesetzten gestalterischen Mitteln.

Frank Nolde (Kunstwissenschaftler, Erfurt)

Die künstlerische Arbeit von Elke Albrecht richtet sich am persönlichen Erleben und an subjektiven Eindrücken und Empfindungen aus. Sie bedient sich dabei der elementaren Quellen der bildenden Kunst als reine Malerei. Es handelt sich überwiegend um Bilder, die eher nicht als einfache Abbilder der äußeren Welt zu verstehen sind. Wenn, dann sind es eher innere Gedanken-Bilder, die über die Farben, die Formen und die Einbettung in den Bildraum subjektive neue Bildwelten entstehen lassen. Wir sollten uns als Betrachter deshalb mit offenen Sinnen auf die Bilder einlassen. Ein Aspekt, auf den die Künstlerin selbst immer wieder hinweist. Sie bricht mit der klassischen Trennung von Zeichnung und Malerei nicht nur mit dem Ineinandergreifen oder dem Nebeneinander der beiden Techniken in einem einzelnen Gemälde. Mit einer aufeinander fallenden oder sich überlappenden Formensprache treibt sie das Spiel von Form und Gegenform, von Geschlossenheit und Transparenz, von Fläche und Linie, Lasur und Struktur auf die Spitze. Das Schöne und Einmalige wird zu etwas sehr Subjektivem, das sich nicht mit den gewohnten Kategorien inhaltlicher Erklärungsmuster entschlüsseln lässt. Der beschreibbare Gegenstand der Betrachtung im Bild tritt in den Hintergrund, bleibt diffus und uneindeutig, sperrt sich vor allzu leichter Enträtselung, wobei es tatsächlich weniger um das Entschlüsseln der Bilder geht. Die radikale Vereinfachung der Bildsprache zu einer autonomen Form zwingt den Betrachter zu einem Perspektivwechsel hin auf seine eigenen Empfindungen angesichts der Werke. Er sollte sich einlassen auf die außergewöhnliche Subtilität dieser visuellen Partitur der Bilder. Die nuancenreiche Farbgebung in einer additiven oder subtraktiven Farbmischung, um ein Gleichgewicht oder ein Ungleichgewicht herzustellen und die zarte Strichführung der Bleistiftlinien und Schattierungen gegen scharfe Konturen gesetzt, erzeugen ein inneres Bild oder Empfinden von Leichtigkeit und Nähe oder von Schwere und Bedrängtheit. Beispiele dieser „innigen Verbindung von zwei Komplementärfarben, ihre Mischung, ihre gegenseitige Ergänzung und das geheimnisvolle Vibrieren der verwandten Farbtöne“ beschrieb Van Gogh 1888 angesichts seiner farbsymbolischen Darstellung von Jahreszeiten und der bildlichen Schilderung der Zuneigung zweier Liebender in seinen Werken. Auch können wir uns auf Kandinsky beziehen, der in seiner Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ bemerkt, „dass die Farbe eine wenig untersuchte, aber enorme Kraft in sich birgt, die den ganzen menschlichen Körper, als psychischen Organismus, beeinflussen kann“. Dazu gehört auch, dass die Künstlerin überlieferte oder in anderem Zusammenhang benutzte Formen neu verwendet und interpretiert, beispielsweise die formale Einfügung von Teilen aus dem Katalog ihrer eigenen Schnittmuster für Bekleidungskollektionen. Gestalt und Bedeutung scheinen hierbei zwar nicht mehr nach üblichem Muster übereinzustimmen, verweisen aber gelegentlich doch auf zeichenhafte, gegenständliche Aspekte im Werk Elke Albrechts.