Am Samstag wird die neue Ausstellung "Von zauberhafter Kunstfertigkeit. Porzellanfiguren der Aeltesten Volkstedter" im Schloss Molsdorf eröffnet

16.03.2017 10:30

Am Samstag, dem 18. März wird im Schloss Molsdorf um 16 Uhr die neue Sonderausstellung "Von zauberhafter Kunstfertigkeit. Porzellanfiguren der Aeltesten Volkstedter" eröffnet.

Barocke Kutsche aus Porzellan.
Foto: Hermann Reinl: Flucht der Gräfin Cosel Foto: © Aelteste Volkstedter Porzellanmanufaktur

Die Ausstellung, die bis zum 11. Juni zu sehen ist, entstand in Kooperation mit der Ältesten Volkstedter Porzellanmanufaktur und wurde von Silke Opitz, Kunstmuseen Erfurt, kuratiert. Etwa 50 Figuren und Figurengruppen künden von der zauberhaften Kunstfertigkeit, mit der diese Kleinplastiken aus Porzellan bis heute in Rudolstadt hergestellt werden.

Reich verzierte Porzellanfigur.
Foto: Carl Fuchs: Rosendame Foto: © Aelteste Volkstedter Porzellanmanufaktur

Schon für Gustav Adolph von Gotter (1692-1762), den bedeutendsten Molsdorfer Schlossherren, war das "weiße Gold" ein wichtiges Gut. Zu seiner Zeit gerade erst wieder erfunden, bezeugte Porzellan enormen Wohlstand und Luxus. Es wurde nicht nur funktional als Tafelgeschirr gebraucht. So besaß auch Gotter zum einen "Dresdner Porzellan" (Meissner Porzellan). Zum anderen ließ der Graf den sogenannten Marmorsaal seines Molsdorfer Schlosses mit kunstvollen Figuren und Gefäßen auf den Kaminsimsen dekorieren. Ganz der höfischen Mode jener Zeit entsprechend, handelte es sich dabei vermutlich um Chinoiserien sowie um eine allegorische Figurengruppe der "Vier Jahreszeiten", wobei letztere dem ikonografischen Programm des Plafonds entsprach.

Die jahreszeitliche wie die fernöstlich-exotische Thematik bestimmten daher neben "Garten" und "Tanz" die Auswahl der Volkstedter Porzellanfiguren für die Molsdorfer Schau.

Zudem sind galante (Spitzen-) Figuren zu sehen, welche die idealistischen Vorstellungen vom höfischen Leben und Treiben aus der Perspektive des 19./20. Jahrhunderts widerspiegeln. Auch ganz zeitgenössische Werke, etwa von Peter Strang, kann man bestaunen und so nachvollziehen, wie sich die künstlerische Auffassung und technische Umsetzung der menschlichen Figur mittels Porzellan verändert hat. In der Ausstellung sowie in einer Schauvorführung am Pfingstsamstag wird ferner zu sehen sein, in welchen aufwändigen Einzelschritten all diese Kunstwerke aus "weißem Gold" entstehen.

1760 erteilte das Fürstenhaus Schwarzburg-Rudolstadt Georg Heinrich Macheleid (1723-1801) das Privileg zur Porzellanherstellung. Der Sohn eines Laboranten und in Jena studierte Theologe mit ausgeprägtem naturwissenschaftlichem Interesse kann als „Volkstedt-Rudolstädtischer Böttger“ gelten. Denn wie der berühmte Alchemist August des Starken hatte auch Macheleid das Porzellan nicht nach sondern neu erfunden. Nach seiner Rezeptur nahm die Aelteste Volkstedter – und zugleich älteste Thüringische – Porzellanmanufaktur 1762 den Betrieb auf.

Wenngleich in den Anfangsjahren auch Geschirre produziert wurden, ist das Unternehmen heute vor allem für seine Figuren und Figurengruppen bekannt. In Kooperation mit Künstlern und Künstlerinnen entstanden und entstehen jene „Prototypen“, nach denen kunstfertige Formbauer, Modelleure und Porzellanmaler tätig werden. Bei dem in vielen Arbeitsschritten ausgeführtem, kleinplastischem Personal handelt es sich meist um Genrefiguren im weiteren Sinne, deren Geschichten aus mythologisch-allegorischen Szenen und durch historische Begebenheiten überliefert sind.

Formal lassen die Volkstedter Porzellanfiguren manchmal die maßstäblich größeren Vorbilder aus der Bildhauerei erkennen. So verweisen einige der unmittelbar nach Firmengründung entstandenen Figuren in ihren Posen und Proportionen auf bekannte antike Statuen (Knidische Venus, Venus von Milo) oder auf berühmte Skulpturen der Renaissance. Die damals noch junge Porzellankunst bezog sich also auf den anerkannten Formenkanon der ebenso anerkannten künstlerischen Gattung Bildhauerei.

Erst im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erlebten dann die berühmten Spitzenfiguren als feingliedrige Akteure in galanten Genre-Szenen ihre Blüte. Dabei sind die Einzelfiguren häufig als historische Persönlichkeiten ausgewiesen, besitzen aber dennoch nur entfernt Porträtcharakter. Vielmehr geht es hier um die Demonstration der Kunstfertigkeit all jener, die an der Entstehung einer solchen Spitzenfigur beteiligt sind und ihr handwerkliches Können für die prachtvoll und detailreich ausgestatteten (Porzellan-) Kostüme aufbringen. Besonders die in Schlicker getauchten, mit äußerster Sorgfalt und Geschicklichkeit auf den Figurentorso modellierten Lochspitzenbänder – deren Stoffgrundlage im Brand verloren geht, so dass anstelle des Textils nun das Porzellan die entsprechende Form annimmt – verleihen den Figuren Raffinesse. Neben dieser ist den Figurengruppen noch ein weiteres, eher inhaltliches Merkmal zu eigen: In Rückbesinnung auf die „gute alte Zeit“ der vergangenen Epoche, also des Kaiserreichs, wurden im hereinbrechenden Industrie- und späteren Kriegszeitalter nicht nur das bürgerliche Liebes-, Ehe- und Familienidyll beschworen sondern neben Anstand, Bildung und guter Gesinnung auch ein Hang zum Luxus und zur Mode zelebriert.

Heute dienen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Aeltesten Volkstedter Porzellanmanufaktur neben den historischen Vorlagen auch künstlerische Entwürfe des 21. Jahrhunderts als Grundlage für die Produktion. Humoristisch bis „erotisch-neckisch“ aufgefasste Situationen und mitunter eben nur allzu menschliche Eigenschaften verleihen den zeitgenössischen Porzellanfiguren Gesicht und Charakter und lassen sie als dekorative Spiegelbilder ihrer Bewunderer, Käufer und Sammler erscheinen.

Besucherinformation

Von zauberhafter Kunstfertigkeit
Porzellanfiguren der Aeltesten Volkstedter
Eine Ausstellung des Schlossmuseums Molsdorf in Kooperation mit der Ältesten Volkstedter Porzellanmanufaktur
19.03.-11.06.2017

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, Feiertag 10-18 Uhr

Eintritt:
Erwachsene 6 Euro, ermäßigt 4 Euro
An jedem ersten Dienstag im Monat ist der Eintritt frei.

Arbeitsgang beim Erstellen einer Porzellanfigur.
Foto: Spitzenlegen Foto: © Aelteste Volkstedter Porzellanmanufaktur

Schauvorführung der Aeltesten Volkstedter Porzellanmanufaktur im Rahmen der Schlössertage 2017 "Aufgeklärt! Alter Wert und neuer Glaube" am Samstag, dem 3. Juni, 10:00 bis 17:00 Uhr