Wiedereröffnung der Kunsthalle Erfurt nach erfolgter Teilsanierung

24.02.2017 10:30

Nach mehr als zwei Jahren baubedingter Schließung wird die Kunsthalle Erfurt am Samstag, dem 25. Februar 2017, um 18:00 Uhr mit einer Veranstaltung im Rathausfestsaal, zu der der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow und Oberbürgermeister Andreas Bausewein erwartet werden, wiedereröffnet.

Eröffnung der Ausstellung „Exodus: Fotografien von Sebastião Salgado“

Zahlreiche Menschen in einem Lager.
Foto: Sebastião Salgado: Rwandan refugee camp of Benako. Tanzania. 1994. Ausschnitt Foto: © Sebastião Salgado / Amazonas images

Die Kunsthalle Erfurt ist eine von der Thüringer Landeshauptstadt getragene Kultureinrichtung für Wechselausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst nationaler und internationaler Provenienz und zugleich die größte ihrer Art in Thüringen. Das renommierte Ausstellungshaus befindet sich inmitten der Erfurter Altstadt im Haus Zum Roten Ochsen. Dieses gehört mit seiner Renaissancefassade zu den architektonischen Schmuckstücken der Stadt Erfurt.

Ein Haus mit Tradition

Das Haus hat eine lange und spannende Geschichte: Im Jahr 1562 ließ der wohlhabende Erfurter Waidhändler und Oberratsmeister Jacob Naffzer den bereits 1392 erwähnten Bau gegenüber dem Rathaus weitgehend im Stil der Renaissance umgestalten. In den Jahren von 1977 bis 1979 erfolgte nach Sanierungsarbeiten an der Renaissancefassade der Umbau zu einem Ausstellungshaus, der „Galerie am Fischmarkt“, die am 26. Oktober 1979 feierlich eröffnet wurde. Seit 2000 trägt die Einrichtung die Bezeichnung „Kunsthalle Erfurt“. Sie hat sich zu einer überregional orientierten und anerkannten Adresse für zeitgenössische bildende Kunst inklusive Fotografie profiliert und gehört heute zur Abteilung Kunstmuseen der Kulturdirektion.

Bis Anfang 2015 wurde die Kunsthalle noch stark von der Modernisierung der Jahre 1976-79 geprägt, die ihrerseits die bauliche Grundsubstanz des 1914 eröffneten Kinos einbezogen hatte. Das Gebäude entsprach in seinem baulichen Zustand nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Ausstellungshaus.

„Im Kontext des Kulturkonzeptes der Landeshauptstadt Erfurt und im Hinblick auf die Neugestaltung des Fischmarktes wurde zunächst ein Modernisierungsgutachten für die Kunsthalle erstellt“, sagte Kulturdirektor Dr. Tobias J. Knoblich. „Im Januar 2015 erfolgte die temporäre Schließung des Hauses. Ziel der nun durchgeführten Teilmodernisierung war die Herstellung einer angemessenen, einladenden und zeitgemäßen Entréesituation mit Aufwertung des Foyers, die Schaffung von Barrierefreiheit im gesamten Ausstellungsbereich, die Verbesserung der Erschließung des Gesamtgebäudes und der Anlieferungsbedingungen sowie die Erfüllung aktueller brandschutztechnischer Auflagen. Bestandteil der Baumaßnahmen war auch die denkmalpflegerische Sanierung des Skulpturenschmucks der wertvollen Renaissancefassade.“

Sanierungs- und Umbauarbeiten

Nach Entwürfen des Büros Hoffmann + Weingart Architekten und Ingenieure GbR und überwiegend mit Mitteln der Städtebauförderung finanziert, wurde das städtische Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst gemäß den aktuellen Grundsätzen des Brandschutzes und des barrierefreien Zugangs modernisiert. Eingangssituation und Foyer wurden attraktiver gestaltet, ein Aufzug eingebaut, von dem aus die verschiedenen Ebenen des Ausstellungsbereiches erschlossen werden können. Im rückwärtigen Bereich wurde ein Neubau errichtet, der drei kleinere Depots aufnimmt und ein Treppenhaus als Fluchtweg für die Besucher/-innen bereitstellt.

An der Fassade wurden umfangreiche Sicherungs- und Steinsanierungsarbeiten ausgeführt. Unvorhersehbare Schäden mit statischen Problemen im Mauerwerk über dem historischen Korbbogenportal erforderten zusätzliche Sanierungsmaßnahmen, die sich bis ins Jahr 2017 hinzogen und eine planmäßige Fertigstellung der Arbeiten an der Fassade verhinderten. Die Farbfassung der Fassade wird wieder hergestellt, sobald die Temperaturen die entsprechenden Arbeiten zulassen. Eine Tafel neben dem Eingang wird die laufenden Ausstellungen angemessen bekanntmachen und stellt ebenfalls ein Novum dar, das die Nutzung des Hauses sinnfällig vermittelt.

Die Sanierung und Restaurierung der Kunsthalle Erfurt war ein ehrgeiziges und spannendes Projekt, das zur deutlichen Aufwertung als Ausstellungshaus führte. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 2.070.000 Euro. Die Finanzierung war nur mit Hilfe der Städtebauförderung möglich, hierbei wurden Zuwendungen von Bund und Land in Höhe von 1.419.000 Euro bereitgestellt. Der Eigenanteil der Stadt Erfurt beträgt rund 595.500 Euro, der Zuschuss des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie beläuft sich auf 55.500 Euro.

Exodus: Fotografien aktueller denn je

Der in den letzten Jahrzehnten etablierten Tradition folgend, in der Kunsthalle Erfurt immer wieder international wichtige Positionen der Autorenfotografie zu präsentieren, ist die erste Ausstellung nach der Wiedereröffnung dem Schaffen des berühmten brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado (*1944) gewidmet.

Die Ausstellung der Agentur Amazonas images wurde von Lélia Wanick Salgado kuratiert und in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Kunstdienst Erfurt e. V. organisiert.

Präsentiert werden über 170 Schwarzweißfotografien aus seinem Langzeitprojekt „Exodus“ zum Thema Migration und Vertreibung. In den 1990er Jahren reiste Salgado sechs Jahre durch 35 Länder, um Menschen zu porträtieren, die durch Krieg, Völkermord, Unterdrückung, Elend und Hunger gezwungen waren, ihre Heimat aufzugeben und sich auf eine Reise mit ungewissem Ausgang zu begeben.

In Südamerika, auf dem Balkan, in den Slums der Megacities Asiens, im Nahen Osten und im Herzen Afrikas traf er Menschen, die zu einem Leben verurteilt sind, das sich der in Wohlstand und Frieden lebende Teil der Menschheit kaum vorzustellen vermag. Salgado zeigt die Spuren der Verheerung durch Gewalt und Hunger, aber auch Haltungen einer genuin menschlichen Würde, die selbst unter den widrigsten Bedingungen bewahrt wird.

Der Fotograf verbindet in seiner Arbeit soziales Engagement und ästhetisches Feingefühl auf eine Weise, dass bewegende Bilder entstehen – Bilder vom Elend des Menschen inmitten von humanitären Tragödien, aber gleichermaßen auch von seiner Würde und Schönheit.

Sebastião Salgado

Sebastião Salgado, der seine berufliche Karriere als Fotograf 1973 in Paris begann, arbeitete für die Agenturen Sygma, Gamma, Magnum Photos, bevor er 1994 mit seiner Frau Lélia die Agentur Amazonas images gründete. Seine fotografischen Projekte wurden in zahlreichen Ausstellungen und Büchern vorgestellt, darunter Other Americas (1986), Arbeiter (1993), Terra (1997), Migranten (2000), Kinder der Migration (2000), Africa (2007), Genesis (2013).

Schirmherr der Ausstellung: Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Freistaates Thüringen. Der Dank gilt den Förderern der Ausstellung für ihre freundliche Unterstützung: Freistaat Thüringen/Thüringer Staatskanzlei, Kulturstiftung des Freistaats Thüringen, TÜV Thüringen, Hotel ZumNorde.